Jul
11
2012

EMERGENCY für iPad im Test

“Touch-Control” – so lautet das Zauberwort, um das man in der heutigen Zeit kaum mehr herumkommt. Anfangen bei Smartphones, bis hin zu Küchengeräten: Schalter und Knöpfe sind längst out! Es wird nicht mehr mit aller Härte in die Tasten getippt, sondern allenfalls über den Bildschirm gewischt. Die Technik hat auch Tablets brauchbar gemacht und aus schweren, klobigen und uncoolen Ziegelsteinen extrem hippe LifeStyle-Produkte hervorgebracht. Es war somit nur eine Frage der Zeit, bis auch EMERGENCY den Sprung auf die flachen Bretter wagt. In unserem Test zu EMERGENCY für Apples iPad verraten wir Euch, warum dieser Spagat vollends geglückt ist!

Mit den ersten beiden EMERGENCY Spielen für Nintendo DS wurde der Grundstein gelegt – nun schicken uns Serious Games Solutions und Quadriga Games erneut auf die mobile Reise: Mit dem ersten EMERGENCY-Titel für iPad erscheint am heutigen Tag ein weiterer Ableger der beliebten Spieleserie – dieses Mal für mobile Endgeräte in Apples App Store.

Das Motto lautet auch dieses Mal wieder “Retten, Löschen und Bergen”. In der Rolle des Einsatzleiters befehligt man unterschiedliche Einsatzkräfte und Fahrzeuge, um insgesamt 13 verschiedene Missionen zu bewältigen. Die Palette reicht dabei von kleinen Verkehrsunfällen (natürlich am Bahnübergang), bis hin zu einem verunglückten Supertanker oder einem Meteoriteneinschlag mitten in der Großstadt. Fans der Serie werden diese Szenarien reichlich bekannt vorkommen, stammen sie doch aus EMERGENCY 2. So hat man im Hause Serious Games Solutions tief in die Kiste gegriffen und sich ordentlich an den Vorgängern bedient. Fast könnte man denken, der iPad Ableger wäre ein Remake des zweiten Teils – aber eben nur fast!

Im Grund genommen hat man sich nicht einfach nur “bedient”: Die Entwickler haben sich aus jedem der Spiele besonders gut gelungene Komponenten heraus gegriffen und diese – weiter verbessert – in das Spiel eingebunden. Die Grafik und das Missionsdesign basieren nahezu komplett auf dem zweiten Teil, wurde allerdings an vielen Stellen für die Anforderungen des iPads und die Touchsteuerung optimiert. Quadriga Games hat dabei weniger Wert auf große Einsatzgebiete oder viele Aufgaben gelegt, sondern konzentriert sich in vielen Fällen auf bestimmte Bereiche der Karte und einige Aufträge. Zu Beginn des Spiels startet man somit mit einem relativ kleinen Unfall – per Bildschirmhinweis werden die Grundfunktionen erklärt und der Spieler an seine Aufgaben herangeführt.

Die Steuerung geht dabei einfach von der Hand, alle Spielbefehle sind intuitiv und logisch aufgebaut. Selbst Spieler, die vorher noch nie EMERGENCY probiert oder mit einem iPad gespielt haben, finden sich sehr schnell zurecht. Die wichtigsten Grundbefehle sind mit den systembekannten Befehlen des iPads abgedeckt: Mit dem Wischen über den Bildschirm lässt sich die Kamera über die Karte bewegen, mit zwei Fingern lässt sich der aktuelle Bildschirmauschnitt zoomen. Einheiten und Fahrzeuge lassen sich mit einem einfachen Tipp des Fingers selektieren, anschließend wird das Spiel in einen Pausenmodus versetzt und ein Befehlsmenü erscheint. Hier können verschiedene Interaktionsmöglichkeiten gewählt werden, z.B. das Behandeln von Verletzten, die Aufnahme verschieder Ausrüstungsgegenstände oder das Löschen von Bränden. Die Steuerung funktioniert erstaunlich einfach und ist perfekt in das Bedienungsschema des iPads integriert. Während die Steuerung bei anderen EMERGENCY-Spielen immer ein Streitthema war, spielt sich EMERGENCY iPad so, als wäre es schon immer auf dem Touchscreen zu Hause gewesen!

Ist die erste Mission gemeistert, geht es sofort zum nächsten Einsatz über. Neue Einheiten und Spielfunktionen werden dabei stets über die eingeblendeten Hinweise erklärt, allerdings zieht sich diese Funktion mit der Zeit immer mehr zurück und leistet nur dann Hilfe, wenn es wirklich Sinn macht. Zusätzlich verfügt jede Einheit über einen “Fragezeichen-Button”, der dem Spieler weitere Informationen zur Einheit und den zur Verfügung stehenden Befehlen bietet. Im Vergleich zu den Spielen der Hauptserie beschränkt man sich bei EMERGENCY iPad auf die wichtigsten Einheiten – ABC-Dekontaminationsfahrzeuge, Scharfschützen oder Löschpanzer sucht man vergeblich.
Dies ist vor allem mit dem Missionsdesign zu begründen. Die Entwickler haben gezielt sehr brand- und rettungslastige Missionen ausgewählt. So gilt es Fahrzeuge aufzuschneiden oder Objekte mit Kränen anzuheben, auf weitläufige Polizeieinsätze darf man aber nicht hoffen. Erfreulich ist vor allem, dass die Bandbreite an Einsätzen sehr vielfältig ausfällt: Kleine und große Verkehrsunfälle, Gasexplosionen, bis hin zu Schiffsunfällen, Flugzeugabstürzen und entgleisten Zügen. Im Verlauf des Spiels wird man immer vor komplett neue Aufgaben gestellt und muss somit immer anders an die jeweilige Situation heran gehen.

Grafisch macht das iPad-Game einen etwas altbackenen, aber trotzdem sehr soliden Eindruck. Auch wenn die 2D-Ansicht und der genutzte Grafik-Stil nicht dem aktuellen technischen Stand entsprechen, ergibt sich in ein ansprechendes Gesamtbild. So ist die Umgebung insgesamt detailliert ausgearbeitet und gut in Szene gesetzt. An vielen Ecken und Enden hätte man sich aber trotzdem noch mehr Liebe zum Detail gewünscht. Animationen sind beispielsweise selten anzutreffen und die Lichteffekte beschränken sich auf Blaulichter und Ampelanlagen. Vom, bereits in EMERGENCY 2 integrierten, Tag-Nacht-Effekt fehlt leider jede Spur.
Für alle die etwas auf die Ohren haben wollen, reicht der zum Teil aus Vorgängern bekannte Soundtrack vollkommen aus. Die Szenerien sind mit ruhigen und teils auch rockigen Stücken unterlegt – somit ist für jeden etwas geboten. Einzig die Soundeffekte hätten etwas mehr Pepp und Frische vertragen – hier wurde vor allem in den letzten beiden PC-Titeln erheblich bessere Arbeit geleistet.

Obwohl EMERGENCY iPad “nur” 13 Missionen bietet, vermittelt das Spiel eine enorme Langzeitmotiviation. Der Schwierigkeitsgrad jeder einzelnen Mission ist perfekt gesetzt und die Motiviationskurve erfährt keine Tiefen. Während die ersten Missionen noch relativ einfach von der Hand gehen, steigt die Schwierigkeit von Szenario von Szenario an. Passend dazu verleitet die integrierte Rangliste zur Punktejagd. Sämtliche Missionen sind so gestaltet, dass man die höchste Punktzahl – und damit die Goldmedaille – nur mit Mühe und Not erhält. Somit müssen die Missionen sehr sorgfältig und mit ordentlich Geschick gelöst werden. Vor allem die größeren Missionen lassen sich nur mit einem durchdachten Plan mit Gold abschließen. Dieses riskante Spiel mit der Motivation der Spieler haben die Entwickler gut gelöst.
Mit Hilfe des in jedem iOS-Gerät integrierten Game Centers von Apple lassen sich die erzielten Ergebnisse weltweit mit anderen Spielern vergleichen. Außerdem gibt es im Spiel verschiedene Erfolge, die zusätzlich zur Jagd nach der Goldmedaille, einen etwas längeren Spielspaß versprechen.

Trotz der guten Langzeitmotivation und der gelungenen Motivationskurve hätten wir uns in diesem Zusammenhang aber mehr von den Entwicklern gewünscht: Der aus den PC-Titeln bekannte Endlos- und Herausforderungsmodus. Hiermit hätte man, zusammen mit dem Game Center zum Punktevergleich, eine optimale Lösung entwickeln können, um die Begeisterung für das Spiel auch nach dem Absolvieren der Missionen zu erhalten. Denkbar wäre, z. B. das bekannte Wachengelände aus EMERGENCY 2 mit verschiedenen Einsatzkarten zu verbinden und somit eine relativ große Spielwelt zu erzeugen. Zusammen mit einigen Änderungen am Gamedesign wäre ein relativ mächtiges Werkzeug enstanden, das sowohl Fans der Serie als auch EMERGENCY-Neulinge gleichermaßen befriedigt hätte. Leider ist daraus nichts geworden, allerdings bleibt die Hoffnung, dass per Update zumindestens neue Hauptmissionen nachgeliefert werden und das Spiel so erweitert wird.

Fazit: Während die bisher erschienenen mobilen Ableger für Nintendo DS vor allem mit den Limitierungen der Handheld zu kämpfen hatten, ist Quadriga Games und Serious Games Solutions mit EMERGENCY iPad ein großer Wurf gelungen. Die Touchsteuerung vermittelt ein unglaubliches Spielgefühl, die Missionen sind – trotz der Nähe zu EMERGENCY 2 – gelungen und der Spielspaß hält lange Zeit an. Deshalb lässt sich auch über die etwas angestaubte Grafik hinwegsehen. Der Ausflug auf Apples iPad bietet nicht nur für Casualgamer eine gute Abwechslung, sondern dürfte auch Highscore-Jägern genügend Anreize bieten.

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